12.Jul.2006    12.07.1866 - 140 Jahre Schlacht bei Zorn 

Kein Pardon für die Preußen
Heute vor 140 Jahren tobte die Schlacht bei Zorn/Ein toter Nassauer

Vom 12.07.2006
Genau vor 140 Jahren kam es zur berühmten "Schlacht bei Zorn". Auch wenn Militärhistoriker nur von einem "missglückten Scharmützel kleiner Truppenteile" sprechen, verlor doch die nassauische Brigade an diesem Tag ihren ersten Soldaten. Auch der AAR-BOTE berichtete seinerzeit über die "Schlacht" im Untertaunus.
 
Von
Thorsten Stötzer
Heiß schien am 12. Juli 1866 die Sonne vom Himmel. In Diethardt waren die Preußen mit den Bauern ins Feld gegangen, in Zorn saßen einige ihrer Soldaten in der Gastwirtschaft von Kaspar Schmidt. So friedlich wie die zeitgenössischen Schilderungen vermuten lassen, war die Lage aber nicht, denn seinerzeit tobte der preußisch-österreichische "Bruderkrieg". Die Preußen befanden sich trotz der Idylle im Feindesland, denn das Herzogtum Nassau stand auf der Seite Österreichs. Im Laufe des 12. Juli spitzte sich die Lage in unserer Heimat zu und es kam zur berühmten "Schlacht bei Zorn", die der Militärhistoriker Walter Rosenwald aber nur als "missglücktes Scharmützel kleiner Truppenteile" gelten lässt.
Immerhin musste die gut 5000 Mann starke nassauische Brigade an diesem Tag ihren ersten Gefallenen beklagen. Philipp Peter Ludwig aus Miehlen ging Stunden vor seinem Tod noch in Nauroth umher. Von dort machten sich die Nassauer auf, um die Preußen in Zorn anzugreifen. An das Marschieren hatten sich die Soldaten schon reichlich gewöhnen können. Die nassauische Armee wurde im Krieg von 1866 nämlich nicht gerade geschickt geführt. Unrentable Gewaltmärsche führten sie weit von den Grenzen des Herzogtums weg und wieder zurück. Als schließlich die Preußen - die Berichte gehen von 4000 bis 7000 Mann aus - von Koblenz aus über die untere Lahn in den Taunus vorstießen, kehrte die Truppe eiligst heim.
Preußische Reiter hatten bei Streifzügen sogar das damalige Langenschwalbach erreicht. Es fielen Schüsse, die einige Kurgäste erschreckten. Die herzoglichen Soldaten marschierten bei bestem Wetter bis zur Kemeler Heide. Bis Zorn, Diethardt und Holzhausen/Haide hatten sich die Preußen vorgewagt. Bismarcks Kriegerschar im Untertaunus war keineswegs eine Elitetruppe, einfache Landwehrmänner hatten die Preußen in Nassau einmarschieren lassen. Die ließen sich nun am Nachmittag des 12. Juli von den Angreifern überraschen, die im Halbkreis auf Zorn vorrückten. Schon am Rande des Dorfes, am Gasthaus von Kaspar Schmidt (heute Nassauer Straße 17), kam es zum Kampf.
Kinder machten sich einen Spaß daraus, zwischen den Dörfern und damit zwischen den feindlichen Lagern hin und her zu laufen. Einer davon war Jacob Jacobi, der später Lehrer wurde. Er schrieb später über die "Schlacht bei Zorn": "Von den aus der Wirtschaft austretenden Preußen traf einer auf den nassauischen Vorposten Ludwig aus Miehlen, der Preuße bat um Pardon. Aber Ludwig schoß nach ihm und fehlte; seine Kugel schlug in das Dach der genannten Wirtschaft ein. Der Preuße erwiderte den Schuß und traf Ludwig tödlich in den Hals." Auf dem "Acker von Karl Blaß", heißt es an anderer Stelle, soll Ludwig gestorben sein. Begraben haben ihn seine Kameraden auf dem Friedhof von Kemel.
Im weiteren Verlauf der Schlacht hatten die Nassauer mehr Glück. "Verwundete hatten unsere Truppen nicht", meldete der AAR-BOTE zwei Tage später. Acht Preußen trugen hingegen in Zorn ernste Blessuren davon. Zwei gerieten in Gefangenschaft und abends ereilte in Holzhausen 17 weitere dieses Schicksal. Außerdem nahm die nassauische Artillerie vom Grauen Kopf aus Preußen unter Feuer, die bei Lautert standen - Zorn war schon damals ein "Dorf mit Weitblick".
Am Weg nach Algenroth schlug eine Kugel in einen Kirschbaum ein. In diese Richtung zogen sich schließlich auch die fremden Soldaten zurück. Der Triumph, die Preußen bei Zorn in die Flucht geschlagen zu haben, war nicht viel Wert für die Nassauer.
Ihre Verbündeten verloren am folgenden Tag eine weitaus wichtigere Schlacht bei Aschaffenburg und am 18. Juli besetzten die Preußen Wiesbaden und sangen dabei die "Wacht am Rhein".
 

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